Danzig- ein Venedig an der Ostsee?

Danzig
Danzig wird nur in Ausnahmefällen von Kreuzfahrtschiffen direkt angelaufen, in der Regel wird das benachbarte Gdingen als Hafen gewählt. Das hat einerseits nautische Gründe, zudem kann Danzig keine passenden Liegeplätze ausweisen. Und so gestaltet sich die Einfahrt in den Industriehafen von Gdingen ja doch eher prosaisch. Eigentlich wollen 99% der Gäste ins knapp 30 km entfernte Danzig, sodass die organisierten Landausflüge gern genutzt werden.
Am Kai warten Taxis auf Kundschaft
Am Kai waren aber auch stets auch Taxis auf Kundschaft, die eine individuelle Besichtigung zum Fixpreis anbieten. Vieler Taxifahrer in Gdingen sind vitale Lokalpatrioten, und zwischen den beiden Städten besteht eine gewisse Konkurrenz. Es kann also durchaus vorkommen, dass der Taxifahrer am Abend auf der Rückfahrt noch einen (kostenlosen) Schlenker fährt, um die Schönheiten seiner auf den ersten Blick eher spröden Heimatstaates zeigen. Das berühmte Seebad in der Mitte zwischen Gdingen und Danzig ist ein weiterer möglicher Sightseeing-Stopp.
Im historischen Zentrum von Danzig können alle wichtigen Sehenswürdigkeiten zu Fuß besichtigt werden. Die wechselvolle Geschichte der Stadt, die 997 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, spiegelt sich in zahlreichen Gebäuden wieder. 300 Jahre war Danzig die Hauptstadt des polnischen Herzogtums Pomerellen, bis der Deutsche Orden 1308 die Herrschaft übernahm. 1454 befreiten sich die Bürger von den deutschen Rittern, die Stadt unterstellte sich dem König von Polen und erhielt im Gegenzug zahlreiche Privilegien. Zur Hanse stieß die Stadt Danzig spät, erstmals nahm Danzig 1361 am Städtetag der Hanse teil, was einem formellen Beitritt entspricht. Slawen und zugewanderte deutsche Kaufleute lebten in Danzig friedlich zusammen, ihr christlicher Glaube einte sie, denn die benachbarten Protzen (Preußen) und Litauen waren überwiegend Heiden. Während die Slawen rund um die Katharinenkirche wohnten - das Gebiet wird heute Altstadt genannt -, siedelten die deutschen Kaufleute näher an der Mottlau. Weil hier libysches Recht herrschte, bekam die Siedlung rund um die Marienkirche den Namen ?Rechtsstadt?. Diese beiden Viertel beherbergen die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Danzigs. Wenn ein Gebäude mit Danzig gleichgesetzt wird, dann ist es das Krantor an der Mottlau. Einerseits diente das im 14. Jahrhundert errichtete Tor der Stadtverteidigung, andererseits war es in der Lage, bis zu 2 t schwere Lasten zu heben. Es wurde nicht nur beim Verladen von Schiffswracks benutzt, sondern aufgrund seiner Zukunft von 27 m auch zum Aufrichten und Setzen von Schffsmasten. Die erhaltenen Tore der Mottlau könnten unterschiedlicher kaum sein: das benachbarte prachtvolle Grüne Tor aus dem 16. Jahrhunderte diente als Residenz für hohen Besuch.
Die Altstadt von Danzig
Es trennte Mottlau vom Dlugy Trag, dem ?Langen Markt?, der am Rechtstädtischen Rathaus in die ?Lange Straße? übergeht. In der Wahrnehmung des Besuches wird die von repräsentativen Häusern gesäumte Straße aber nur ein wenig schmaler, bis sie am goldenen Tor im Westen endet. Das Rechtstädtische Rathaus - es gibt auch das Altstädtische Rathaus nahe der Katharinenkirche ? wurde 1327 erbaut, nach einem Brand 1556 aber umgestaltet. Kaum vorstellbar, dass der gesamte Straßenzug 1945 in Schutt und Asche lag. Die polnischen Gastautoren haben die historischen Häuser in mühsamer Arbeit rekonstruierte wieder aufgebaut. Das gilt auch für die Ulica Mariacka, die Frauengasse. Sie führt von der Marienkirche zum Frauentor an der Mottlau. Jedes Haus der Gasse hat einen sogenannten Beischlag, einem erhöhten Platz vor dem Eingang.
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Bildquelle: Pixelio
Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/127/


